Blickkontakte

Ganz egal wie das Leben spielt, ich mach mich grade So lang‘ ich meine Zunge noch in meinem Rachen trage Für euch alle eine visuelle Hasstirade, wenn ich die Maske trage, Maskerade.

„Songtext Sido“
Seit der Antike sind Illusion, Verstellung und Täuschung Begriffe, die Maskerade und Rollenspiel kennzeichnen. Berühmt ist der Karneval von Venedig, künstlerisch gestaltete Masken ließen die Träger und Trägerinnen unerkannt durch die venezianischen Kanäle und Gassen gleiten und flanieren.

Christel Schulte-Hanhardt, die immer wieder Gesichter zum Thema hat, möchte in ihren Maskenbildern sich der inneren Wahrheit widmen. Die Maske und Maskerade sollen Mittel sein auf der Suche nach der einen Wahrheit und der einen Identität. Anders als in der Oper erfahren wir bei ihr keine Demaskierung, das Hinter-die-Maske schauen. Ihre Masken wollen nicht jemanden verbergen, sondern aufmerksam machen auf verschiedene Wahrheiten, auf unterschiedliche Gesichter Wahrnehmungen. In der Corona Pandemie erhält die Maske eine völlig neue Bedeutung, es geht um den Schutz der Anderen vor Ansteckung, eine medizinische Funktion die bisher nur Ärzte eingesetzt haben. In der Pandemie werden wir alle zu Ärzten, die Maske ist keine Maskerade, sie ist lebensbedeutend. Das dekorative Element, das Maskendesign außerhalb des OP Bereichs wurde sofort erfunden. Es hat noch nie weltweit so viele Menschen gegeben, die im Alltag unkenntlich auf Straßen und Geschäften unterwegs sind. Es gibt keine visuelle Hasstirade nach „Sido“ sondern eine Hassliebe. Die Bilder entstanden in der Zeit von 2006-2015 und eine Maske, Maskerade verliert das Spielerische, Leichte und erhält eine völlig neue Bedeutung.

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FRANZ PHILIPP

Vor nicht langer Zeit hatte der Fotograf ausschließlich die Aufgabe Situationen, Menschen oder Gegenstände zu dokumentieren. Als das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher die Aufgabe erhielt im Ruhrgebiet alte Zechen für das Landesarchiv aufzunehmen war diesen noch nicht klar, dass die entstandenen Fotos nicht nur eine Doku der Architektur war, sondern eine künstlerische Aussage wiedergab.

Die anscheinend unemotionale Aussage aller Fotos, die Verlorenheit der dargestellten Fabriken spiegelte genau das Gefühl der Zeit. Die Konzeptkunst war entstanden.

Franz Philipp versteht sich als Reisefotograf, der im alten Sinne die Reise dokumentieren möchte, der aber aus dem US Bundesstaat Bilder mitbrachte, die die Verlassenheit der Landschaft und des Staates zeigt. Einsam stehen die Gegenstände in der Landschaft. Verrostete Maschinen, Autos und Schaufelbagger aus der Goldgräberzeit, die warten als ginge es bald wieder los. 100 Jahre nach dem Goldrausch in Alaska und im Gebiet des Yukon.

Unterwegs mit seinen Söhnen griffen sie auch zur Goldpfanne und fanden Nuggets oder Goldflitter wie die Spezialisten meinten. Sportlich unterwegs sind sie einen Teil des berühmten Chilcoot Passes gelaufen, hunderte von Goldsuchern sind zur Jahrhundert-wende, schlecht ausgerüstet hungrig nach Reichtum diesen Pfad geklettert.

Franz Philipp

studierte an der Krefelder Werkkunstschule und machte seinen Abschluss als Architekt und Designer in Düsseldorf. Ende der Siebziger arbeitete er als Assistent bei Peter Maly in Hamburg und lernte dort in den Fotostudios der Zeitschriften Schöner Wohnen und Architektur u Wohnen die analoge Studiofotografie kennen. Als Möbeldesigner mit fotografischen Blick und Gedächtnis sucht er die iconografische Form.

CHRISTEL SCHULTE-HANHARDT

Curriculum vitae

Die 1926 geborene Christel Hanhardt war Tochter eines Schreinermeisters aus dem östlichen Nordrhein-Westfalen. Sie wurde zur technischen Zeichnerin ausgebildet und konnte so früh in der väterlichen Schreinerei den Umgang mit Materialien, Formen und Größen unterschiedlichster Art kennenlernen.

In der Nachkriegszeit heiratete sie den rheinischen Möbelkaufmann Daniel Schulte in Krefeld. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahre 1951 arbeitete sie jedoch weiter für die westfälische Handwerksfamilie. Der Werkstoff Holz, der Aufbruch zum Möbeldesign in den 60ern, das Einrichten von Wohnungen und die Beobachtung der Kunstszene war für die ausgebildete Zeichnerin die Voraussetzung für ihre spätere Entscheidung. Nicht der heimische Josef Beuys, sondern der dänische Maler Per Kirkeby hat sie schon früh mit seiner freien Malweise begeistert. Jährliche Besuche der Salzburger Sommerakademie, die von Oskar Kokoschka gegründete Schule des Sehens, sowie Aktzeichenkurse an der Krefelder Werkkunstschule haben sie dann endgültig überzeugt, Künstlerin zur werden.

Mit nunmehr 54 Jahren bewarb sie sich an der Düsseldorfer Kunstakademie und wurde 1979 älteste Studentin ihrer Zeit. Grundkurse bei Tony Craig und Rissa, bis zur Meisterschule bei Klaus Rinke. Rinke war kein Maler, Rinke war auch kein klassischer Bildhauer, Rinke suchte das Ursprüngliche: Zeit und Raum, Körper und Schwerkraft. Die Meisterschülerin wurde beeinflusst und suchte einen eigenen Weg – als schon lebenserfahrene Studentin brachte sie Gelassenheit und Lebensfreude mit.

Per Kirkeby und Rinke waren nun die Vorbilder, ihre ersten Arbeiten waren großformatig, gemalt auf Packpapier mit Kreide und Bleistift. Dann begann sie, Materialien, eigentlich für den Müll, zu sammeln, und komponierte Neues aus diesen, inspiriert durch Kirkeby: „Die Welt ist Material, aus dem man Kunst macht“.

Christel Schulte-Hanhardt fühlte sich als Malerin, aber die dritte Dimension in der Kunst war sozusagen genetisch angelegt. Begeistert von der antiken Frescomalerei bemalte sie Bauplatten. Diese wurden mit einem herkömmlichen Gipsputz versehen und dann, noch feucht, bemalt. Die Platten 50x200cm wurden zu einer großen Installation nebeneinander gestellt oder nochmals zu eigenen Formen wieder zerschnitten. Ein Happening durfte nicht fehlen, also ging die ganze Familie in den 80ern mit nackten Füßen über den feuchten Putz. Körper, Zeit und Raum, sagte doch der Meister. Neben vielen Zeichnungen, durch die sie in der Schule des Sehens das schnelle künstlerische Erfassen gelernt hat, beschäftigte sich Christel Schulte-Hanhardt mit Papierinstallationen. Altes Zeitungspapier wurde zerrissen, neu verklebt und bemalt. Fast skulptorale Bilder sind so entstanden, dreidimensionale Oberflächen, die aussehen wie die Darstellung der Erdoberfläche in beeindruckender Bildgröße. Eine Ausstellung in der New Yorker Galerie Penine Hard hat sie für einen längeren Aufenthalt genutzt. Die ausstrahlende Schnelligkeit und Kraft, die die Stadt vermittelt, hat sie zu neuen Ausdrucksformen motiviert.

Nun fing die Künstlerin erst spät an, aber mit einem langen Leben – sie ist heute 93 Jahre alt – sind es auch 40 Jahre Schaffenszeit. In ihrer früheren Ausbildungszeit, wo sie lernte, alles exakt zeichnen zu müssen, war sie als reife Künstlerin daran nicht mehr interessiert. Spontan sollte es sein und wie ein Foto die Jetzt-Situation künstlerisch darstellen. Am meisten interessierte sie sich für Menschen in allen Lebenssituationen. Gesichter, Körperstellungen und das Miteinander faszinierte sie und wurde künstlerisch interpretiert. Sie verstand die Menschen auf eine eigene Weise und stellte neue Sinnhaftigkeit her. Das Gesehene künstlerisch umzusetzen erfordert Schnelligkeit. Dazu diente ihr ein Laptop, den sie 2005 für sich entdeckt hat.

Wie ein Fotograf seine Kamera, hatte sie ihren Rechner immer zur Hand. So kam es, dass sie in 8-10 Jahren fast 1000 Zeichnungen anfertigte. Ganz herkömmlich zeichnete sie auf dem Pad ihres Laptops und brachte hervorragende, abstrakte Zeichnungen hervor. Digital erstellt, wie die heutige Fotografie – der Weg für eine Künstlerin ohne Kamera.